Deutsche Meisterschaft Gasballon 2009
20.06.2009, 10:00h: OFFIZIELLES ERGEBNIS
Wir gratulieren allen Teilnehmern und insbesondere den Erst-Platzierten:
- Klaus SCHMÖHL / Christian KÖHLER
- Tomas HORA / Volker LÖSCHHORN
- Kurt FRIEDEN / Pascal WITPRÄCHTIGER
Glück Ab - Gut Land, Ihre / Eure Wettbewerbsleitung
Team 9 fährt ruhig hinter dem Feld, und ist am Ende ganz vorn
Olaf, Du hast bestimmt was verwechselt …
Juni 18th, Donnerstag Vormittag (nach Zeitrechnung des
Auswerteteams :-) ) saßen wir in der Chemnitzer Stadthalle, um uns bei Antonin Dvoráks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ einfach mal ablenken zu lassen.
Nach sehr intensiver mehrtägiger Auswertungsphase erschienen endlich die Ergebnisse der Deutschen Meisterschaft per SMS, kurz nach der Pause. Das Mobiltelefon konnte oder wollte den Download nicht verkraften. So blieb nichts weiter übrig, uns an der Liste der Durchschnittsgeschwindigkeiten zu laben. Unser Verfolger Olaf Eberlein gratulierte anschließend ebenfalls per SMS, und wir dachten spontan: siehe oben….
Eine spannende Wettfahrt nahm einen unerwarteten Ausgang. Einige Mitbewerber werden geschmunzelt haben, Markus auch verbal, als wir zum Wettkampf antraten, inmitten der vielen Laptops, Notebooks, PDA’s und Smart Mobile Phones, hinter denen manche Sportfreunde gar nicht mehr zu erkennen waren.
Klaus Schmöhl und sein Team kamen im Vergleich dazu mit etwas spartanischer Ausstattung daher. Selbst das Regelwerk lag noch im Fahrzeug. Aber eines hatten wir alle ausreichend dabei, die Leidenschaft zum sportlichen Ballonfahren!
Das Vertrauen in unseren Wettkampfleiter Markus Haggeney bezüglich Vorbereitung, Erklärung und Wetterberatung war (zu Recht!) grenzenlos und der Bierdeckel zwecks Aufnahme der aktuellen Informationen nach Friedrich-Merz-Methode bestens geeignet.
Doch von vorn: Irgendwann 2008: Klaus rief an und fragte, ob ich ihn wieder zur DM als Copilot begleiten möchte. Die Antwort fiel überhaupt nicht schwer, hatten wir doch bereits zwei DM’s gemeinsam bestritten und wer läßt sich so eine Chance freiwillig entgehen?
Von nun ab wurde der Termin gegen alle weiteren privaten und dienstlichen Interessen vehement verteidigt. Die Vorverlegung um eine Woche kam uns eher recht, nicht so unserem Funker Matthias. Glücklicherweise sprang ganz kurzfristig Walter Beerman ein, der an Bord einen prima Job verrichtete.
Mit näher heranrückendem Termin näherten sich auch Wind (Brocken: Orkan) und Regen. Meteorologen sprachen von einer für die Sommermonate ungewöhnlichen Situation, im Nordosten hatte sich ein eher für die Herbstsaison typisches Sturmtief gebildet, Gordon-Bennett-Freaks hätten sich vielleicht die Hände gerieben. Anreise folgerichtig von Mittwoch auf Donnerstag verschoben. Während des Generalbriefings verteilte der Mettinger Bürgermeister persönlich hochprozentige Kostproben ortsansässiger Destillekunst. Wir verstanden sofort, dass der Freitag kulturellen Zwecken anheim gestellt werden konnte. Walter lotste uns auf einer Tour durchs wunderschöne Münster – vielen Dank!
Unsere Wettkampfleiter Markus und Stefan entließen uns mit einer sehr positiven Vorausschau auf den Samstag. Von geplanten zwei Fahrten ließ sich eine absolvieren, und die sollte es in sich haben.
Novum: Bekanntmachungen erfolgten per SMS. Beim nächsten Mal wird das bestimmt noch besser funktionieren, es erfordert ein wenig Disziplin, sein Telefon angeschaltet zu lassen und, so der Klingelton abgeschaltet ist, ab und zu aufs Display zu schauen.
Vor dem Briefing am Freitagabend waren 100 Sack Sand gefüllt und die Ausrüstung am Platz in Position gebracht. Der Sand war jedoch eine zähe Masse eines Sand- Wassergemisches welches sich nicht problemlos aus den Säcken schütten ließ.
14 Teams aus 6 Nationen schauten nun der Planung für den Folgetag erwartungsvoll entgegen. Es gab keinen Schnaps, dafür 5 mit Bedacht ausgewählte, gut machbare und faire Aufgaben, siehe Internet.
Eine Trajektorienrechnung ließ die voraussichtliche Fahrtroute gen Tschechien absehen. Bei uns fing das Herz an höher zu hüpfen – Chemnitz rückte als Ziel in greifbare Nähe.
Füllen ab 23:00 Uhr, etwas mühselig über nur eine Entspannvorrichtung mit ca. fingerstarker H2-Leitung an 3 Trailern. Aber auch wir hatten Anteil daran, dass sich die Füllung weiter verzögerte. Willi Eimers legte in sehr kameradschaftlicher Weise hilfreiche Hand an, danke Willi.
Im Briefingraum rauchten derweil die Köpfe einiger Aufgabenfanatiker. Tobias Anzeneder ließ mich „abgucken“ und gestattete mir, seine Trajektorien in unsere ICAO Karte zu übernehmen.
Start in der Morgendämmerung – traumhaft, Mond mit Jupiter, Venus mit Mars und die Sonne wollten alle teilhaben am sanften Entschweben der großen, meist gelb gefärbten Kugeln.
05:19 Uhr gingen wir auf große Reise vor einer beeindruckenden Kulisse. Das Land erwachte, hier und da lagen Nebelschwaden auf grüner Flur.
Die Anfahrt auf’s vorgegebene Ziel wurde durch ein Windrad boykottiert, die Fahrt zwischen den rotierenden Flügeln war uns schließlich doch zu gewagt. Nun galt es, den Fuchs als zweites Ziel zu erwischen. Axel, das hast Du clever gelöst. Ich glaube, zwei Ballone hatten den Fuchs noch vor der Auslegung des Zielkreuzes überholt. Deren Priorität bestand wohl in der weitesten Distanz innerhalb der begrenzten Aufgabenzeit von 15 Stunden Fahrt/ Aufgabe Nr. 5.
Im Laufe des Vormittages bildeten sich wie erwartet Cumulanten. Starke Thermik wurde angekündigt. Umso mehr staunten wir über das rasche Verschwinden der Wolken und sehr geringer Thermik während des gesamten restlichen Tages, ausgenommen der Landeperiode.
Am ersten selbst gewählten Ziel, Ankunft 12:00 Uhr mittags, konnten wir sehr tief gehen. Es hat uns zwar nicht wirklich geholfen, näher heranzukommen, war aber bemerkenswert wegen der ruhigen Windverhältnisse, trotz intensiver Sonneneinstrahlung.
Mittlerweile entfernte sich der Großteil der Ballone weiter in Richtung Südost. Wir schauten neidisch und deutlich langsamer hinterdrein, waren uns aber schnell einig, uns auf die Ziele zu konzentrieren und die längste Strecke, längste Strecke sein zu lassen, getreu des Mottos: „Richte Deinen Kurs nach den Sternen aus, anstatt nach den Lichtern jedes vorbeifahrenden Schiffes.“
Bei Erfurt tauchte plötzlich Bob Berben weit unter uns auf. Er fuhr so tief, daß wir dachten, er müsste bald landen. Abermals herrschte Erstaunen über die sehr schwache Thermik. Bob fuhr lange tief und mit ca. 40° nördlicherem Kurs im Vergleich zu uns.
Unsere Verfolger waren längst in Chemnitz angekommen und konnten sich auf der Gartenliege etwas erholen.
Meine Frau Berenice war zwar offiziell nicht mit, aber trotzdem voll und ganz dabei, Mittagessen bei Köhlers, das hätten sich Achim und Olaf tags vorher noch nicht träumen lassen.
Beim zweiten selbst gewählten Ziel hatten wir zugegebenermaßen Heimvorteil. Eine Kreuzung bei Lichtenstein war meilenweit vorher klar zu erkennen und die hohe Trefferquote vorprogrammiert.
In ansteigendem Gelände des Erzgebirges gewannen wir deutlich an Fahrt. Die letzten Kilometer bis zur Grenze waren schnell zurückgelegt, vorbei am Verkehrslandeplatz Jahnsdorf, über Marienberg und ab nach Tschechien. Einfahrt in die TMA Prag wurde uns leider verweigert. Entsprechend Funkverkehr schien die anderen Teams das gleiche Schicksal zu ereilen. So fuhren wir tief und hielten nach einem Landeplatz Ausschau. Den Langstrecken-Blumentopf hatten wir eh schon abgeschrieben. Zum ruppigen Wetter kamen die Lee-Effekte des im Süden steil abfallenden Erzgebirges, so dass es zum Schluss noch mal richtig unterhaltsam wurde.
Die im Feld verstreute Ausrüstung ließ sich zum Glück teilweise anrufen und somit einfach lokalisieren. Für die schwierigeren Stücke war unsere Verfolger Olaf erfolgreich eingesprungen. Ganz besonders erwähnenswert ist die zeitnahe Ankunft unserer Verfolger, vielen herzlichen Dank für Euren Einsatz.
An Bord hatte sich strikte Aufgabentrennung bewährt, Klaus fuhr mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks und hatte anschließend Schwielen an den Händen, Walter funkte wie ein Lufthansa-Pilot und ich hab ab und zu aufs GPS geschaut.
Was bis jetzt noch fehlt, ist ein zünftiges Landefest. In Tschechien fanden wir keine geöffnete Kneipe, ja, das gibt es! Als wir hungrig und durstig in Deutschland ankamen, waren die Wirtsleute nicht mehr aufnahmebereit. Ich hoffe, es lag nicht an unserem etwas verwahrlosten Äußeren.
In den folgenden Tagen wurde ich oft gefragt, wie man 15 Stunden in so einem kleinen Korb aushält, ob es nicht langweilig wird etc.
Nun, das ungestörte Gleiten über Siedlungen, Wälder, Autobahnen, Wolkenformationen und Gebirge wie Harz, Kyffhäuser, Thüringer Wald und Erzgebirge faszinierte ungemein, umso mehr in Gemeinschaft mit anderen Ballonen.
Außerdem hielten uns Flugbeschränkungsgebiete bzw. kontrollierte Lüfträume nebst der strategisch anspruchsvollen Wettbewerbsaufgaben unter Spannung, so dass die Zeit eher viel zu schnell vorüber ging.
Liebes Team vom Ballonclub Teuto, Axel Hunnekuhl und Helfer, liebe Wettkampfleitung, Verbandsleitung und Juri , wir waren gern bei Euch und haben den Aufenthalt in NRW, die spannenden Stunden der Vorbereitung und die Fahrt selbst sehr genossen, vielen herzlichen Dank!
Christian Köhler
